Sind Antisemitismus und Islamophobie vergleichbar?


Feindbild Muslim-Feindbild Jude. Unter diesem Motto veranstaltete das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung vor wenigen Tagen eine Fachkonferenz. Die Grundfrage der Konferenz lautet in wiefern sich Parallelen zwischen Antisemitismus und Islamophobie herstellen lassen, und nicht zuletzt ob es vor dem Hintergrund des Holocaust in den der Antisemitismus mündete überhaupt legitim ist den Antisemitismus für Vergleiche heranzuziehen .Nicht wenige warfen dem Zentrum vor sich auf Abwege zu begeben und durch die vergleichende Analyse letztlich den Antisemitismus zu relativieren.

Ich persönlich halte von derlei Vergleichs Verboten recht wenig. Der Vergleich ist für mich ein legitimes und unverzichtbares Mittel zum Verständnis von Systemen und Problemen. Verbieten wir Vergleiche können wir im Grunde die Politikwissenschaft und Historiographie schließen.Ich gestatte mit nur in einem Extremfall eine Abweichung von dieser Ansicht.

So bin ich der Auffassung das vergleichende Analysen des Holocaust tatsächlich sehr problematisch sind,da es sich hier trotz gewisser Ähnlichkeiten mit dem Stalinismus doch um etwas ziemlich singuläres handelt. Insofern befinde ich mich auf einer Linie mit Kocka Mommsen und Habermas und ihren Positionen im Historikerstreit der späten 80er Jahre.

Abgesehen von diesem Extremfall halte ich Vergleiche aber wie gesagt für absolut legitim. So auch im Fall von Antisemitismus und Islamophobie.Zwar lassen sich die beiden Phänomene nicht Gleichsetzen,sie teilen aber gewisse Denkfiguren. Sowohl Antisemiten als auch Islamophobe gehen von einer Unterwanderung durch den Gegner aus, die letztlich die eigene Kultur zerstört. So gesehen ersetzt die Islamophobie die Angst vor der Jüdischen Weltverschwörung durch die Idee einer systematisch betriebenen Islamisierung Europas. Diese wird entweder offen propagiert,oder ist wo sie nicht offen zutage tritt, wie etwa bei der gemäßigt islamischen Türkischen Regierungspartei AKP teil einer Geheimen Agenda.

Auch sonst werden Muslime in einschlägigen Weblogs wie Politically Incorrect oder Die Achse des Guten ganz ähnlich wie einst der Jude als primitive Kinder fressende Monster dargestellt, die unsere Kinder mit ihrer Lehre Vergiften wollen und grundsätzlich nichts besseres zu tun haben als nicht muslimische Minderheiten zu vertreiben und Zwangsehen wahlweise mit Teenagern oder Kindern einzugehen. Aus der Jude ist unser Unglück wird in gewisser weise der Muslim ist unser Unglück.

Bemerkenswert offen finden sich bei PI übrigens auch Artikel der Jungen Freiheit - immerhin eine der NPD nahe stehende rechtsextreme Wochenzeitung im Pressespiegel. Hier zeigt sich meiner Meinung nach am deutlichsten die gedankliche Nähe zwischen den Islamophoben und der Neuen Rechten.Wenn man sich nun überlegt das sich die Islamophoben zugleich als Pro amerikanisch und Pro israelisch definieren wird die ganze Absurdität der neuen Islamophobie deutlich.

Zusammenfassend lässt sich meiner Ansicht nach sagen das Antisemiten und Islamophobe bemerkenswerte Ähnlichkeiten in ihren Denkfiguren aufweisen. Die unverhohlene Kooperation von Pi mit der Jungen Freiheit oder Pro Köln macht außerdem deutlich dass es von der Islamophobie bis zum Rechtsextremismus offenbar nur ein kleiner Schritt ist. Durchbrochen wird die schöne Reihe der Analogien allerdings von der bedingungslosen USA und Israel Solidarität die aus dem Antideutschen Teil der Antifa entlehnt ist und so gar nicht in klassische Antisemitische Muster passt Hier zeigt sich wie inkonsistent diese Ideologie ist.


Henning Schmidt |

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