Verachtung am Morgen



Ist ein Kommentar von Miely Kiyak unter anderem Kolumnistin der FR im  Deutschlandfunk überschrieben. Diesen gibt es hier zu lesen oder für Lese faule hier zu hören. Ich möchte das Sendeskript nutzen, um daraus einige Passagen die ich für entscheidend halte zu zitieren und dann aus meiner Sicht zu kommentieren.Kiyak fragt: 

Ist es möglich, dass polemische bis antimuslimische Meinungsbeiträge von Journalisten für die wachsende Feindlichkeit gegenüber Muslimen verantwortlich gemacht werden können?(..)


Ja meiner Ansicht nach ist dies sogar wahrscheinlich. Zwar wird nicht jeder der einen entsprechenden Text liest zum Islamfeind, doch in unserer Mediendemokratie wäre es naiv zu glauben,die ständige Wiederholung meist kontra faktischer Behauptungen über eine religiöse Minderheit in diffamierender Art und weise würde keine negativen Auswirkungen auf das gesellschaftliche Klima zeitigen.Leider werden Behauptungen wenn sie oft genug wiederholt werden irgendwann als Wahrheit akzeptiert. Ein gutes Beispiel ist das angeblich massenhafte Problem von Mädchen, die wegen ihres muslimischen Glaubens nicht am Schwimmunterricht teilnehmen.Auf diese Behauptung bin sogar ich vor einigen Jahren hereingefallen.  Eine Recherche der Zeit legte schon vor Jahren offen,dass es diese Fälle zwar gibt,ihre Zahl aber bezogen auf die gesamte Schülerzahl sehr gering ist. insofern haben Journalisten und Publizisten wie Henryk Broeder zwar keine strafrechtliche, wohl aber moralische Mitverantwortung für Oslo zu tragen, den sie schufen  durch Hetze Polemik und schlicht falsche Behauptungen das geistige Klima, welches Anders Breivik so blutig in die Tat umsetzte.

Fahren wir mit dem Kommentar fort.Kiyak  schreibt zur Mitverantwortung der Medien folgendes und beantwortet damit ihre aufgeworfene Frage gleichsam selbst:

Ein Blick in die Leserkommentare der Zeitungen hilft vielleicht bei der Suche nach Ursache und Wirkung. Sobald ein Artikel das Thema Integrationspolitik oder Islam streift, sammeln sich innerhalb kürzester Zeit 100, 200 manchmal bis zu 500 Kommentare von eifrigen Lesern, wo andere Artikel, die sich mit dem Länderfinanzausgleich beschäftigen, mit einer Handvoll Kommentaren zu verwaisen drohen.


Diese Erfahrung kann ich nur aus eigener Anschauung bestätigen. Nun konnte man sich noch der Hoffnung hingeben, es handele sich bei den Kommentatoren gänzlich oder zumindest überwiegend um die üblichen ewig gestrigen von NPD DVU und REP, und Islamophobie  auf Webseiten von Zeitungen, im Netz und gesellschaftlich ein Randphänomen. Dem ist keineswegs so.Auch gelingt es kaum die Diskussion durch eigene gemäßigte Beiträge in eine zivilisiertere Richtung zu lenken. Wer den Islam nicht mit dem Faschismus gleichsetzt und Differenzierung an mahnt,wird als Gutmensch oder gar Steigbügelhalter der Islamofaschisten beschimpft. Es regiert ein Kulturrassismus der Mitte, der längst auch in eigentlich eher Linken oder Linksliberalen Milieus Fuß gefasst hat. Ich selbst kenne genug gestandene Sozialdemokraten, die bei der Lektüre von Broeders Hurra wir Kapitulieren in wahre Stürme der Verzückung geraten. Auch Kiyak stellt zurecht folgendes fest:

Meist überwiegen jene Meinungen, in denen Leser in diskriminierender und vulgärer Art über Muslime schreiben. Nirgends sonst liest man soviel Diffamierung und unverhohlene Verachtung. Das wirkt außerordentlich grotesk - gerade nach Oslo.[...] Wir leben unbestritten in einem Land, in dem zunehmend Verachtung gegenüber Menschen aus dem islamischen Kulturkreis herrscht. Es handelt sich hierbei nicht um einige wenige Rechtsextremisten. Laut einer Studie der Friedrich Ebert Stiftung stimmt fast jeder vierte Befragte aus Westdeutschland ausländerfeindlichen Aussagen zu. In Ostdeutschland sogar jeder zweite. Ein Drittel der Befragten einer Untersuchung der Uni Leipzig findet, dass Deutschland ohne Muslime besser wäre.


Was sollte man aus diesen Diagnosen lernen? Kiyak fordert,dass sich Zeitungen mit der Idee vertraut machen sollten einfach keine Kommentarfunktion mehr anzubieten. Dies wäre schade, weil dann ein faszinierender Aspekt des demokratischen Mediums Internet wegfiele.Andererseits  sollten weder das Internet an sich,noch die Seiten von Qualitätsmedien zur Klowand für puren Rassismus verkommen. Außerdem wünsche ich persönlich mir, dass endlich mehr Stimmen zu Wort kommen, die von der Materie Islam wirklich Ahnung haben. Damit meine Islamwissenschaftler wie Thomas Bauer oder Gudrun Krämer. Menschen also,die sich seit Jahrzehnten fundiert mit dem Thema Islam auseinandersetzen. Leute wie Necla Kelek möchte ich hingegen am Besten nicht mehr im Feuilleton von Qualitätsmedien  lesen müssen. Die mag zwar promovierte Soziologin sein, ihr Islambild ist aber von eigenen Traumata und Geschichten aus dem Bereich hörensagen durchsetzt. Besonders lächerlich macht ihre Argumentation übrigens, dass sie  in ihrer Doktorarbeit exakt das Gegenteil von dem herausgefunden hat, was sie heute als Publizistin vertritt.Daraus wird für mich deutlich,dass es Leuten wie Kelek weniger um emanzipatorische Kritik geht,sondern mehr darum mit Hilfe von difusen gesellschaftlichen Angstgefühlen  ordentlich Kohle zu machen, was ja auch bislang allzu gut funktioniert.

Außerdem muss die Blindheit der Staatlichen Sicherheitsorgane gegenüber der neuen Rechten endlich einmal ein Ende haben. Es kann nicht sein,dass winzige linksradikale Gruppen sobald sie auch nur einen Pubs absondern umgehend im Verfassungsschutzbericht auftauchen,während Hassblogs wie Pi-News mit täglich tausenden von Besuchern angeblich durch die Meinungsfreiheit gedeckt sind und nicht beobachtet werden. Andererseits ist dieses Verhalten logisch,den Antikommunismus gehörte In der BRD ja schon immer zur Statsräson, während nach Rechts fleißig integriert wurde und wird. Vielleicht ist es naiv zu glauben,dass sich dies irgendwann einmal ändern konnte.

Hier wird jedenfalls weiter emsig gegen jede Art von Rechtsextremismus und Rassismus  angeschrieben. Ich bin nicht bereit diese Gesellschaft denen zu überlassen,die Lionke Ideale Karpern , um darunter ihren Islamhass zu verstecken ! Multikulti ist nicht gescheitert ! Es kann garnicht scheitern, weil es schlicht keine menschenwürdige Alternative zu ihm gibt. Der ethnisch homogene Nationalstaat ist ein in Zeiten der Globalisierung überholtes Ideal. Besser wir finden uns endlich damit ab,statt in sinnlosen rassistischen Abwehrkämpfen Energie zu vergeuden.

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