was ich und wir im Marburger Orientzentrum eigentlich so treiben



Seit Oktober 2011 läuft auf diesem Blog nicht mehr viel.Der Grund ist mein Büro im Orientzentrum der Universität Marburg, das offiziell den etwas komplizierten Namen Centrum für Nah-und Mittelost-Studien (CNMS) trägt.Hier arbeite ich nun seit einem Dreivierteljahr mehr oder weniger erfolgreich an einer tragfähigen Promotion und hier habe ich auch zwischen Oktober und Februar für Persisch gepaukt, wenn auch wie hier bereits besprochen mit relativ beschiedenem Erfolg. Um den Blog trotz knapper Zeit mit ein wenig mehr Leben zu erfüllen dachte ich mir, ich mache jetzt mal aus der Not eine Tugend und erzähle ein bisschen was wir in unserem großen Forschungszentrum so machen.

Das CNMS gibt es seit 2006. Es ist teil der sogenannten Zentrenbildung in Hessen. Damals entschied sich die Landesregierung Kleine Fächer nach  Geographischen und kulturellen Gesichtspunkten an einem Großen Standort in Hessen zu konzentrieren und dann auch nur noch dort anzubieten, Neben dem CNMS entstand so ein Ostasienzentrum in Frankfurt, für das Marburg sein Japanzentrum opferte und ein Osteuropazentrum in Gießen zu dem Marburg unter großen Protesten sein traditionsreiches Seminar für Osteuropäische Geschichte  beisteuern musste. Für das CNMS bedeutet das ganze am Ende,dass bis auf die Turkologie die in Gießen verblieb und die Judaistik die sich erfolgreich gegen ihre Umsetzung aus Frankfurt wehrte alle Professuren zum Orient aus Hessen nach Marburg verfrachtet und zusätzlich einige Neue eingerichtet wurden.   Dies betrifft nicht zuletzt Die Professur Politik des Nahen und Mitleeren Ostens unter deren Ägide ich promoviere, aber auch die Professuren für Iranistik sowie Wirtschaft des Nahen und Mittleren Ostens. Zusammen mit der bereits vor 2006 in Marburg Vorhanden Professuren für Semitistik und Altorientalistik sowie der Honorarprofessur  Ägyptologie, die allerdings gerade auf Beschluss der Universität nach langem Kampf abgewickelt wird, verfügen wir hier über derzeit noch 8 zukünftig aber  7 Fachgebiete bzw. Professuren nämlich  Arabistik, Iranistik, Semitistik, Altorientalistik, Islamwissenschaft, Politik und Wirtschaft.

Das ganze ergibt das größte Orientwissenschaftliche Zentrum in Deutschland abgesehen von Berlin,wo es ähnlich viele Professuren gibt.Allerdings sind diese über die einzelnen Universitäten  verteilt und nicht wie hier  Tür an Tür in einem gemeinsamen Gebäude und  Bachelorstudiengang vernetzt.Innerhalb der Deutschen Orientforschung spricht man wohl inzwischen schon anerkennend bis neidisch vom Marburger Modell.

Die Vernetzung ist es auch,welche das Arbeiten hier so spannend macht. Über Fächergrenzen hinweg wird gemeinsam an Projekten gearbeitet. Derzeit zum Beispiel arbeiten Politikwissenschaft, Arabistik, und Islamwissenschaft gerade gemeinsam an einem Projekt zum Einfluss Subversiver Protestformen auf die Umbrüche in der Arabischen Welt. Selbst Altorientalisten und Politologen haben hier schon gemeinsame Seminare veranstaltet.Der Politisch formulierte Anspruch, in der Orientforschung neue Wege zu gehen wird hier beherzt und erfolgreich praktiziert.

Zusätzlich profitiert das Zentrum davon, das es vom Land in den Vergangenen 5 Jahren mit einer Aufbaufinanzierung von rund 2 Millionen pro Jahr ausgestattet wurde. Das ist für Geisteswissenschaftliche Verhältnisse ungeheuer viel Geld. So wurde es auch möglich, das hier eine hervorragende Bibliothek aufgebaut wurde und wird.Ein absolutes Paradies,den hier findet man im Gegensatz zur hoffnungslos unterfinanzierten "Standardpolitologie" tatsächlich aktuelle Bücher und kann sogar Wunschlisten mit Büchern abgeben,die dann auch nahezu garantiert  angeschafft werden können.Da das Professorenteam noch jung und die Studierenden  meist sehr motiviert sind entsteht so eine angenehme Atmosphäre in der ich mich mit den anderen Doktoranden und Mitarbeitern sehr gut verstehe.Diese haben mich sofort in die Familie aufgenommen,obwohl ich im Moment noch nicht offiziell Angestellt sondern eigentlich "nur" externer Doktorand bin.

So sieht übrigens das Büro aus welches ich derzeit benutze. Es ist mein Zweites und  in ein paar Wochen geht es wenn es klappt ins dritte. Ich springe nämlich  immer in gerade leer stehende Büros von Kollegen die für ein paar Monate Feldforschung betreiben. Daher hat man mir hier auch schon den  Scherzhaften Spitznamen der Office Hopper gegeben.



Ich entschuldige mich für das miese Bild mehr geht mit dem Huawei X 3 bei dem Licht scheinbar nicht.

Ich hoffe ich konnte zeigen warum es mir hier so gut gefällt. Dies hier ist ein sehr spannender und angenehmer Ort zum Promovieren und bietet somit gute Chancen zum Einstieg in eine wissenschaftliche Laufbahn. Deshalb ist hier im Moment der richtige Platz für mich in den ich viel Zeit investiere, was die schwache Aktivität auf dem Blog direkt nach sich zieht. 

 Meinen Freunden Bekannten und Sonstigen Lesern und Leserinnen  kann ich nur eins zurufen: Bleibt geduldig ! Mindestens alle paar Wochen gibt es Updates ! Das Blog ist jetzt halt was für Genießer. Neues ist knapp und wenn was neues Kommt sollte man es  anders wertschätzen als früher.

In diesem  Sinne bis bald  !


Henning Schmidt |

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