Gute Kriminelle-böse Kriminelle,



Gedanken zu den Fällen Hoeneß und Guttenberg


Zwei Wochen ist der Fall Hoeneß nun alt. Es ist ein sehr interessanter Fall,allerdings  weniger wegen seines formalen Inhaltes, da ist er nur ein ordinärer Steuerbetrug, sondern wegen der öffentlichen Reaktionen. Wie schon im Fall Guttenberg offenbaren Teile der (Web)Öffentlichkeit ein befremdliches Rechtsverständnis.

A Der Fall Hoeneß ;


Für die Hoeneß Verteidiger steht Mäzenatentum höher als das Recht!


 Zentrale Argumentationslinie der Hoeneßfans, ist das große soziale Herz des Ulli Hoeneß.  Da dieser viel gespendet habe, sei es ungerecht, ja sogar Hetze ihn nun anzugreifen,geschweige denn juristisch zu belangen. Mäzenatentum immunisiert also moralisch gegen Strafverfolgung.So Sympathisch die Haltung sein mag, sie ist gefährlich, den sie untergräbt ein zentrales Prinzip des Rechtsstaates, nämlich die Gleichheit des Individuums vor dem Gesetz. Es darf keine Rolle spielen wie generös ein Steuerbetrüger ist. Käme dieses Prinzip zum Tragen müsste man sozial nicht engagierte Betrüger auch Härter bestrafen als andere. Dies wäre dann letztendlich Willkürlich und das Ende jeder verlässlichen Rechtsordnung. Betrug muss Betrug bleiben.

Die Verteidigungshaltung der Hoeneßfans ist noch aus einem anderen Grund problematisch, Ob der Mann Schuldig ist, ist nicht die Frage. Seine Schuld steht zweifelsfrei fest! Er kommt nur deshalb wahrscheinlich nicht in den Knast, weil er mit der Selbstanzeige einen durchaus umstrittenen Kniff genutzt hat, den es nur im Steuerrecht gibt. Hoeneß ist kein Opfer, sondern Täter, und zwar einer,der das Gemeinwesen um Millionen geprellt hat. Es ist seltsam, dass dies offenbar toleriert wird, während jeder kleine Sozialbetrüger ins öffentliche Fegefeuer geworfen wird. Das Vergehen ist das gleiche, nur die Wahrnehmung differiert.

B) Der Fall Guttenberg 

Für manche Straftat fehlt das öffentliche Bewusstsein.



Etwas anders gelagert ist der Fall Guttenberg. Hier geht es nicht um die Großherzigkeit des Angeklagten, sondern um Charisma und fehlendes öffentliches Bewusstsein. Viele mochten Guttenberg, ihm wurde bescheinigt das Potenzial zum Kanzler zu haben. Zweifellos kann sich Guttenberg gut inszenieren.Dennoch ist auch er schlicht ein Betrüger. Die damalige Debatte machte deutlich, dass die Öffentlichkeit gar nicht weiß, was wissenschaftliches Arbeiten ist. Bei einer Doktorarbeit handelt es sich um ein komplexes Werk.Hier nicht korrekt zu zitieren ist etwas völlig anderes als in der Schule mal abzuschreiben.  Guttenberg hat den Titel und die damit verbundenen Aufstiegschancen durch Betrug, namentlich den Diebstahl geistigen Eigentums erlangt.Dies spuckt jedem ehrlichen Doktoranden ins Gesicht.Diebstahl bleibt Diebstahl auch wenn der geistigen Eigentums zugegebenermaßen etwas abstrakter ist, als ein Ladendiebstahl. Es ist Aufgabe der Wissenschaft ihren sprichwörtlichen Elfenbeinturm zu verlassen und diesen Punkt klar zu machen. Eine Erklärung für die bisher beschriebenen Phänomene kann auch darin liegen, dass Deutsche ganz besonders jemanden brauchen zu dem sie aufsehen können. Die Idee einer Volkspsyche ist zwar vermutlich Schwachsinn,aber der Hype um Hoeneß Guttenberg, oder auch die wir sind Gauck Kampagne 2010 legen diese Wertung nahe. Ob die Ursache dafür das nach dem Holocaust zurecht zerstörte Nationalbewusstsein  oder gar der Verlust des Kaisers 1919 ist sei einmal dahin gestallt. Wünschenswert wäre, wenn "Die Deutschen" in Zukunft nicht mehr zu Politikern aufschauen, die mit ihrer Gelfrisur wie ein Schmieriger Bösewicht aus ein Fall für zwei wirken, sondern eher zu moralischen Autoritäten wie Nelson MandelaTawakul Karman oder Mutter Teresa,um hier  nur drei Beispiele zu nennen.

Auch die politische Klasse sollte sich Gedanken machen. Solidarisierungen mit Kriminellen wie Hoeneß und Guttenberg offenbaren ein tiefes Misstrauen. gegenüber dem System Bundesrepublik Deutschland. Wenn das so weitergeht, kann es langfristig Schwierig für die Akzeptanz der  Demokratie werden.

Henning Schmidt |

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