Wie integriert ist die Deutsch-Türkische Mittelschicht?


Gestern Abend lief der Tatort Familienaufstellung im Ersten. Er drehte sich um das Thema Ehrenmord in einer Türkischen Familie, brach aber bewusst mit einigen Klischees. So Stellten die Autoren Thea Dorn und Seyran Ates nicht etwa die typischen Gastarbeiter in das Zentrum ihrer Geschichte,sondern eine Türkische Mittelschicht Familie. Alle Charaktere sprechen sauberes Deutsch sind gut ausgebildet und wirtschaftlich erfolgreich. Sie sind nach außen hin also in Deutschland angekommen und erfüllen alle Voraussetzungen die sich Integrationspolitiker erträumen. Dennoch ist die Filmfamilie innerlich dominiert von den archaischen Ehrbegriffen Ost-Anatoliens, weshalb es im Film zu zwei Morden kommt, nämlich an der aufmüpfigen westlich lebenden Schwester und ihrer Geliebten,die - ein weiterer Bruch mit dem Klischee nicht vom Bruder sondern der kleinen Schwester ausgeführt werden, welche von der Familie gezwungen wird den Cousin den ihre Schwester einst nicht ehelichen wollte zu heiraten.

Nun sollte man sich hüten von Filmen eins zu eins auf die Realität zu schließen, allerdings verweisen Ates und Dorn in einem Interview zum Film das sie der Welt gegeben haben darauf, dass sich offenbar tatsächlich eine ganze Menge top integrierter Familien der neuen Türkischen Mittelschicht finden, die bestes Deutsch sprechen,wirtschaftlich erfolgreich sind ihre Töchter gut ausbilden lassen, um sie im Endergebnis dennoch Zwangsehen zu unterwerfen. Diese Tendenz halte ich aus dem Munde von Frau Ates die seit Jahren in ihrer anwaltlichen Tätigkeit mit bedrängten muslimischen Frauen arbeitet für sehr glaubwürdig.

Allerdings wirft dieser Befund für mich auch Fragen auf. Wenn es solche Familien gibt, so sind sie der lebende Beweis für das Versagen der These Spracherwerb führt zu Bildung,Bildung zu wirtschaftlichem Erfolg und wirtschaftlicher Erfolg gleichsam automatisch zu einer verwestlichung des Lebensstils und perfekten Integration in die deutsche Gesellschaft.

Solchen Familien ist offenbar mit klassischer Integrationspolitik nicht beizukommen.Die haben sie ja auch nicht nötig. Ihr Problem scheint mir eher ihre mentale Verfassung, den sie halten trotz wirtschaftlicher und sozialer Integration an den zweifelhaften archaischen Traditionen Ost-Anatoliens fest, leben als innerlich in der Türkei. Wie also soll die Deutsche Gesellschaft mit diesem Teil der zugewanderten Community umgehen? Ich bin keine Experte möchte aber dennoch ein paar Überlegungen in den Raum stellen.

Zum Ersten

Denke ich die deutsche Gesellschaft sollte sehr viel mehr tun um Mädchen und Frauen die aus ihren Familien fliehen zu unterstützen. Das muss im Extremfall bis hin zur Ausstattung mit neuen Identitäten reichen.Ziel von Pädagogen und Sozialarbeitern muss sein betroffene so zu erziehen das sie die Kraft haben gegen ihre Eltern zu rebellieren. Besser wäre es natürlich es gelänge ihnen die Eltern von der Unsinnigkeit ihrer Orthodoxen Linie zu überzeugen, indes dürfte dies bei wirklichen Traditionalisten Sinnlos sein.

Zum Zweiten

Müssen Eltern die ihre Kinder Zwangverheiraten wollen vom Staat zur Rechenschaft gezogen werden, bei Minderjährigen konnten den Job die Jugendämter auf dem Wege der Kindesentziehung lösen. Allerdings versagt dieses Mittel natürlich sobald Betroffene zum Heiraten in die Türkei verbracht werden, oder die Volljährigkeit erreicht haben.Insofern sind juristische Sanktionen nicht einfach,zumal dafür betroffene erstmal zur Polizei gehen müssten. Diese aber werden von der Familie unter Druck gesetzt die Ehe als Liebesheirat zu verkaufen. So bleibt wohl nur der Rückgriff auf Punkt Eins.


Was aber machen wir eigentlich mit den Eltern, außer wie unter eins gefordert Pädagogisch auf sie einwirken oder ihnen wenn möglich die Kinder entziehen? Was tun mit Menschen die zwar nicht offen mit dem Gesetz in Konflikt geraten, deren innere Wertordnung aber dem Grundgesetz widerspricht? Massenhafter Umerziehung unterwerfen, sozusagen reeducation für ultra Konservative Türken ? Ab in den Knast ? Oder nichts tun und hoffen das sich früher oder Später die westlich gesinnten Teile der Community durchsetzen weil die anderen vielleicht weg sterben? Ich muss sagen mich lässt al dies relativ konsterniert zurück.

Baff bin ich auch über einen Trend der im Tatort das Mordmotiv lieferte. Die verzweifelte kleine Schwester die eine heimliche Affäre mit einem anderen Jungen hat ermordet ihre Schwester, die Ärztin ist nämlich deshalb, weil sie sich weigert ihr das Jungfernhäutchen wiederherzustellen. Wie die taz meldet greift diese Praxis der Jungfräulichkeit per OP derzeit verstärkt um sich. Eine ziemlich pragmatische Lösung für den Fall das sexueller Freiheitsdrang und Tradition in Konflikt geraten.
Henning Schmidt | ,

1 Kommentar:

  1. den tatort hab ich auch gesehen. das bild der erfolgreich integrierten tuerkischen familie war gut dar gestellt, aber eben nur eine facette die so nicht die normalitaet wieder spiegelt. unsere einstellung, das sich menschen, anderer 'abstammung' oder kultur bei 'UNS' integrieren sollen, ist so albern wie laecherlich. wir sind alle menschen und der ort an dem wir leben, ob dortmund, anatolien, dehli oder auf irgendeinem anderen breitengrad darf nicht bestimmen wie wir uns 'zu verhalten' haben. die diskussion um integration, kultur etc... wird von oben herab gefuehrt. menschliche werte beruhen nicht auf religion, leider, sondern, je nach land und gegebenheiten, auf tradition und pragmatismus. wer sind wir das sich jemand uns anpaasen muss/soll? konsertvative engstirnigkeit ist keine frage der religion ... mit der zeit wird auch die tuerkische gesellschaft sich liberalisieren ... noch 20jahre ...

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