Warum profitiert die Grüne Bewegung nicht vom arabischen Frühling ?


Der Arabische Frühling hat eine ganze Region in Schwingung versetzt. Nur ausgerechnet die iranische Opposition 2009 noch so etwas wie Vorreiter der Bewegungen in der arabischen Welt kann überhaupt nicht von der Aufbruchstimmung profitieren. Was sind die Gründe für diese unbefriedigende Situation?


Hierzu hat Reza Hajtapour Iranist an der Universität Bamberg  eine spannende Analyse unter dem Titel Gefangen im System verfasst. Er  identifiziert einige Hauptgründe die ich an dieser Stelle kurz zitieren möchte:
"Tatsache bleibt, dass sowohl die politische Landschaft als auch die religiösen Netzwerke in Iran von inhomogenen Kräften dominiert werden. Das ist einer der Gründe dafür, dass der "Grüne Weg" nicht alle oppositionellen Gruppierungen vereinigen und deshalb auch keine breite Zustimmung im Volk finden konnte. (...) hinzu kommt, dass die religiöse Orientierung der Grünen Bewegung die säkulare Opposition und die gebildete Bevölkerung nicht anspricht."
 Ich würde Hajtapours Analyse durchaus zustimmen, frage mich allerdings wer oder was die säkulare Opposition ist  die es anzusprechen gilt. Wenn es sie gibt so existiert sie höchstens als gesellschaftliche Tendenz ist aber in keiner weise organisiert. Mir jedenfalls ist nicht eine im Iran operierende säkulare Oppositionsgruppe bekannt mit der die Grüne Bewegung ein Bündnis eingehen könnte.Wer säkular orientiert ist sitzt aus verständlichen Gründen im Ausland.Exil-Iranische Gruppen  haben aber bei  den Iranern und Iranerinnen keinen guten Ruf gerade weil sie nicht vor Ort sind.

Bis der Iran den Weg der Reform durchschritten hat wird noch einige Zeit verstreichen, zumal Hajtapour letztendlich auf einen kulturellen Wandel setzt und diese vollziehen sich noch wesentlich langsamer und langfristiger als Veränderungen im politischen System eines Staates Hajtapour umschreibt seine Vision Vom Wandel im Iran  folgendermaßen
"[Iran brauche] einen Wandel, der nicht nur auf religiösen oder nationalistischen Parolen fußt, sondern der vielmehr das Selbstbewusstsein der Nation neu definiert; einen Wandel, der auf politischer Ebene eine vernünftige Ausgewogenheit bringt und die Nation vor der Gefahr einer Spaltung bewahrt, indem er ihre iranische Identität und ihre religiöse Tradition in Einklang mit modernen Lebensformen bringt."
Ich fürchte  die Iranische Opposition wird noch dicke Bretter bohren müssen. Die spannende Frage ist wann der Iran seinen Weg zur säkularen Republik abgeschlossen haben wird. Schließlich darf man nicht vergessen, dass der Iran zwischen 1906 und 1911 schon mal eine Konstitutionelle Revolution durchlebt hat und mit Mossadegh auch schon mal über einen demokratisch gewählten Premier verfügte.Es existieren auf alle Fälle historische Linien an die angeknüpft werden kann. Für mich ist die Frage nicht ob sondern  nur wann und unter welchen Umständen dies geschehen wird.


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